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Die Strolche sind großartig, alles andere ist Quark!

2020 ist passé und auch wenn dieses neue Jahr sich bereits anstellt, um dem alten in nichts nachzustehen, ist es doch gut, sich bei anderen Hochschulgruppen „in diesen schweren Zeiten“ auf eines verlassen zu können: Plumpen Populismus, StuRa-Sitzungsteilnahme eher so lala und Desinteresse an der Hochschulpolitik allgemein. (Zur Einschätzung des Studiums unter Corona-Bedingungen haben wir bereits einen Text verfasst. [1]) 

Das Jahr begann nach der StuRa-Wahl dann auch wenig überraschend. Zum Wahlkampf der 8. StuRa-Periode wurde noch von uns bemängelt, dass dieser bei anderen HSG kaum existent war und wenn doch eher gehaltlos verlief. [2]  Während der gesamten Amtsperiode glänzten LHG, Junge Union und Irfan meist wieder durch Abwesenheit. Ihrer Tradition bleiben sie auch sonst treu: wenn sie denn mal in Erscheinung treten, dann etwa durch die Imitation populistische Agitation irgendwo zwischen unwissenden Satire-Versuchen und Untergrabung von Prozessen. 

Die noch recht neue HSG Fleisch veröffentlichte im Mai 2020 kurzerhand selbst ausgedachte AStA-Referats-„Ausschreibungen“, die natürlich falsche Informationen enthielten, noch bevor überhaupt über die Gestaltung und den Zuschnitt des zukünftigen AStA abgestimmt wurde [3] Auch ansonsten fällt die Gruppe doch durch eher unkooperative Vorgehensweisen auf – auf Kritik reagiert man mit Korruptionsvorwürfen, Alle-haben-sich-gegen-uns-verschworen-Aussagen, zwinker-zwinker-versteckte-Drohung-Mails an Personen mit Funktionen in der Studierendenschaft oder bloßem Anschreien von Universitätsbeschäftigten, wenn man seinen Willen nicht bekommt. Apropos Willen nicht bekommen: letzte Woche wollte besagte HSG die aktuelle StuRa-Wahl dann glattweg per Eilantrag absagen lassen (und ist damit natürlich gescheitert). Weiterhin auf gute Zusammenarbeit. 

Aber was geht im aktuellen Wahlkampf denn sonst so bei den anderen Hochschulgruppen?

Die Junge Union heißt jetzt RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten [sic!]) und macht mit dem Namen auch direkt klar, woran einem gelegen ist – nämlich die 59% der Studentinnen an der Uni mindestens gedanklich, auf jeden Fall aber nach Listenaufstellung schon mal auszuschließen. [4] Ob das jetzt verwunderlich ist, sei mal dahingestellt, immerhin rekrutiert sich der RCDS nicht nur aus Jüngern der Union, sondern auch aus den reaktionären Männerbünden der pflichtschlagenden Landsmannschaft Marchia Berlin zu Osnabrück und dem VDSt (Verein Deutscher Studenten). [5] Ansonsten setzen sich die vorgestellten Kandidaten des RCDS alle für eine „ideologie“-freie Hochschulpolitik ein. Zunächst begrüßen wir das natürlich, heißt es doch das man sich dem Konservatismus des Oberverbandes entschlossen entgegenstellt! Leider blieb der Listenplatz 1 des RCDS eine Definition des Begriffs Ideologie schuldig – trotz mehrmaliger Nachfrage auf der diesjährigen Podiumsdiskussion*.
Das lässt eine*n natürlich etwas fragend zurück. Wie soll dieses quasi-revolutionäre Projekt angegangen werden? Was ist der Unterschied zwischen einer pragmatisch-bürgerlich-christlich-demokratischen Weltanschauung und einer Ideologie? Ist das schon die abschließende Erklärung der bisherigen Inhaltsleere und Phrasendrescherei des RCDS? Bitte schreibt uns doch eure Antworten – Genossen -, ihr wollt euch doch für mehr Transparenz (wo jetzt genau?) einsetzen. [12]

(*LHG und Fleisch hielten es nicht einmal für notwendig, überhaupt auf die Einladung zur diesjährigen Podiumsdiskussion zu antworten, geschweige denn dort aufzutauchen. Wir können nur wohlwollend annehmen, dass die Belastung im Studium einfach mal wieder zu hoch war, um sich an hochschulpolitischen Vorgänge konstruktiv zu beteiligen oder für mehr Transparenz zu sorgen. Wir verstehen das schon! Keine Sorge, wie immer vertreten wir für euch die Interessen der Studierenden konsequent.)  

Ebenso solidarisch geht es weiter mit der liberalen Hochschulgruppe. Laut ihrer StuRa-Seite stehen sie für die Förderung des Ehrenamts (z.B. Uni Funk und Uni Blutspende), mehr Transparenz im StuPa, ein sorgsamer Umgang mit Studienbeiträgen und die Unterstützung des Hochschulsports – und das schon seit 2009! Oh, warte, das war das letzte Mal, dass das Programm dort aktualisiert wurde. [6]
Zum Glück hat die LHG ja noch eine neue, geile Seite im hippen FDP-Design und auch kostenpflichtige Wahlkampfwerbung auf Instagram soll schon gesehen worden sein. Dickes Like dafür! Da weiß man doch gleich, dass man individuell auf die hiesige Uni Situation zugeschnittene Politik bekommt. Man setzt sich z.B. weiterhin für mehr Digitalisierung im Studium ein, verzichtet jetzt aber zumindest schriftlich auf den schlüpfrigen mit-dem-Prof-ins-Bett-Witz vom letzten Jahr [2]. Dass es wichtig ist, sich mit der digitalen Lehre auseinanderzusetzen (die dieses Jahr je nach Institut und Lehrenden mal so mal so geklappt hat), diese aber auch weiterhin kritisch zu beobachten, haben wir bereits in einem Text thematisiert [1]. Denn wo digital draufsteht, ist leider meist auch mehr Kontrolle drin und an die Stelle der versprochenen Freiheit durch Flexibilität tritt oft nur mehr Erwartungshaltung seitens der Chef*innen Professor*innen.

Des Weiteren fordert man im Handschlag mit dem RCDS auch (mal wieder) mehr Ideologiefreiheit (Liberalismus, anyone?) und will auf keinen Fall „extremistische“ Tendenzen an der Uni. Die kritische Aktion des AStA-Beutels ist dem gelb-lilanen Liberalen nämlich mal wieder aufgestoßen. Um ein Studium in Regelstudienzeit durchzupeitschen, wollen sie auf „bestmögliche Motivation“ – sprich in Aussicht gestellte Existenzangst und verknappende Flaschenhälse bei konsekutiven Masterstudiengängen – statt „staatsfeindlichem Ideologiewahn“ setzen. Ob staatsfeindlich hier heißt, dass man selbstbestimmt und unverschuldet durchs Studium gehen kann ohne durch arbiträre Anwesenheiten und verschulte Stundenpläne niedergebunden zu werden, konnte leider in der PM nicht beantwortet werden. Auch blieb man der Frage eine Antwort schuldig, warum sich der Allgemeine Studierendenaussschuss (bzw. Studierendenvertretungen allgemein) auf eine Linie mit der Universitätsleitung stellen sollte, die durchaus auch gegenläufige Interessen zu ihren Studierenden, Mitarbeitenden und Lehrenden vertreten kann. [7]

Zum Kampf der LHG (und anderer) gegen „extremistische“ Tendenzen haben wir auch schon einmal Stellung bezogen [8]. Seitens der LHG folgte letztes Jahr nochmal ein kleiner Auffrischer in einem geteilten Beitrag der LHG Uni Köln für Autonomie und gegen Autonome Gruppen, wie der „staatsfeindlichen“ Antifa. Man teilt die Meinung, dass Anti-faschismus an der Uni nichts zu suchen hat, und schon gar nicht finanziert werden sollte (z.B. durch ein AStA-Referat für politische Bildung und Antifaschismus, in dem letztes Jahr doch sogar ein LHGler als Referent tätig war 😉 ). Im Gegenzug setzte man sich jedoch volle Kante dafür ein, dass „[…] den FaschistInnen, AntifeministInnen, NationalistInnen, RassistInnen, AntisemitInnen und christlichen FundamentalistInnen der AfD die Tore der Universität weit[…]“ aufgerissen werden. [2] Ist das noch „Ideologie“-freiheit oder schon gute liberale Tradition [9]? 

War da noch was mit Solidarität? Ach ja, Blutspende! Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Uni Blutspende solidarisiert sich die LHG mit den Spenden der Studierenden… indem sie sie unter den sprichwörtlichen Karren schmeißt: „Desinteresse und Hektik sind der Grund, weshalb nur noch selten zugehört wird, wenn die Mitglieder der LHG versuchen, Menschen auf dem Campus und in der Stadt für die Spende zu begeistern.“ [10] Mit anderen Worten: dieselbe Hektik, die ein in Regelstudienzeit durchgepeitschtes Studium halt so hervorruft – eine Verbindung, die der LHG vor lauter „Ideologie“-Freiheit nicht aufzugehen scheint. 

Wir stellen fest: zumindest was die Hochschulpolitik angeht, haben auch Corona und das Jahr 2020 allgemein nicht viel dazu beitragen können, dass sich auch die anderen Hochschulgruppen mit den Verhältnissen, die uns umgeben, auseinandersetzen. Das mag an „Ideologie“-Freiheit liegen oder daran, dass man sein Mandat nur ernst nimmt, wenn es nicht direkt mit den eigenen Interessen kollidiert. Für eine emanzipatorische und positionierte Vertretung im StuRa, die fundierte Kritik an den Verhältnissen äußert, müssen dann wohl doch wieder die Kleinen Strolche gewählt werden.

(Nach wie vor lassen wir aber natürlich nichts auf unsere Freund*innen von den Powerpuffgirlz* kommen! <3) 

Wahltermine:
12.-14.01. Schloss (11-16 Uhr)
19.-21.01. Mensa Westerberg (11-16 Uhr)


Quellen:
[1] Corona und die StuRa-Wahlen https://kleinestrolche.wordpress.com/2020/12/28/corona-und-die-stura-wahlen/
[2] This is what democracy looks like https://kleinestrolche.wordpress.com/2020/01/16/this-is-what-democracy-looks-like/
[3] StuRa-Protokoll vom 17.06.2020 TOP 18
[4] Studierendenstatistiken der UOS https://www.uni-osnabrueck.de/universitaet/zahlendatenfakten/
[5] Kleine Strolche Instagram: Studentenverbindungen kappen! https://www.instagram.com/p/CJvdY3IH25u/
[6] StuRa-Seite der LHG https://www.stura.uni-osnabrueck.de/hsg/lhg
[7] LHG: PM Kritik an AStA Ersti Beuteln https://lhg-osnabrueck.de/2020/11/11/pm-kritik-an-asta-ersti-beuteln/
[8] eXtReMiSmUs https://kleinestrolche.wordpress.com/2019/06/25/extremismus/
[9] BR: FDP-Ministerpräsident von Björn Höckes Gnaden https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/analyse-fdp-ministerpraesident-von-bjoern-hoeckes-gnaden,Rpe10VD
[10] LHG: Jubiläum! 20 Jahre Uni-Blutspende. Eine Tradition in Gefahr? https://lhg-osnabrueck.de/2020/02/13/jubilaeum-20-jahre-uni-blutspende-eine-tradition-in-gefahr/
[11] LHG Facebook Post zur Blutspendeaktion https://www.facebook.com/lhg.osnabrueck/posts/3665248113519053
[12] Podiumsdiskussion zur StuRa-Wahl vom 11.01.202

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