Protest zur Eröffnung des Studierendenzentrums am 27.Juni um 10 Uhr

Student*innen, zeigt euch am 27.06.2022! Gegen die Abwertung der Studierendenschaft durch das Präsidium der Universität Osnabrück im Rahmen des „neuen“ Studierendenzentrums

Das Studierendenzentrum ist da! Also fast… Den aufmerksamen Leser*innen unserer Texte wird dieser Einstieg bereits bekannt vorkommen, da wir vor knapp 6 Monaten unsere Stellungnahme zum Studierendenzentrum („Studizentrum in Studihand oder abgebrannt!“ [1]) mit genau diesen Worten begonnen haben. Allerdings ist dieses Gebäude auch zum jetzigen Zeitpunkt nur fast da – so sehen wir es zwar täglich auf unserem Weg zur Schloss-Mensa, aber betreten können wir das ­“StudZ“ weiterhin nicht (wenn wir nicht gerade die Fahrradwerkstatt des AStA nutzen). Es ist immer noch unklar, wann sich die Türen des Studierendenzentrums für uns Studierende öffnen werden, aber eins bleibt klar: „Das Studierendenzentrum wird kein Ort für Studierende, sondern vielmehr ein Mahnmal für die konsequente Abwertung der Studierendenschaft durch das Präsidium der Universität Osnabrück“ [1]!

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Die mit dem Gebäude verbundene Problematik in Kürze:

Der Bau des Studierendenzentrums wurde zu einem großen Teil von ehemaligen studentischen Geldern (inzwischen wieder abgeschafften allgemeinen Studiengebühren) mitfinanziert (5 Millionen Euro!) und die Studierendenschaft in Form einer vom Studierendenrat entsandten Planungsgruppe in die Gestaltung des Gebäudes „einbezogen“. Diese Planungsgruppe engagierte sich über Jahre hinweg für ein Studierendenzentrum, das den Wünschen der Studierendenschaft entspricht. Jedoch wurde die Planungsgruppe – zusammen mit dem Studierendenrat, dem AStA und der Studierendenschaft als Ganzem – vor allem im Verlauf des letzten Jahres in einem nicht mehr hinnehmbaren Maße vom Präsidium getäuscht und übergangen. So wurden vorherige Absprachen mit den studentischen Vertreter*innen zum Nutzungskonzept einfach ignoriert, Zusagen zurückgenommen und spätere Gesprächsangebote mit Planungsgruppe und Studierendenrat abgelehnt. Darüber hinaus legte das Präsidium sowohl gegenüber verschiedenen gewählten Vertreter*innen der Studierendenschaft als auch vor allem gegenüber der Planungsgruppe ein unverschämtes Verhalten an den Tag: sie lügten wiederkehrend, zweifelten die Legitimität studentischer Vertreter*innen an, setzten die Studierenden bei finanziellen Entscheidungen unter künstlichen Zeitdruck, spielten verschiedene Gremien und studentische Vertreter*innen gegeneinander aus (oder versuchten es zumindest), um ihre eigenen Interessen zu schützen, und verabschiedeten ohne Absprache mit der Studierendenschaft die Nutzungsrichtlinie des Gebäudes, obwohl sich ein großer Teil der Studierendenschaft gegen diese ausgesprochen hat [2]. 

Ein Beispiel für konkrete Resultate dieses Prozesses ist, dass der Multifunktionsraum des Gebäudes nur von 99 Studierenden genutzt werden darf, obwohl ursprünglich vereinbart war, dass 200 Personen (und nicht nur Studierende!) einen Platz in diesem Raum für öffentliche (!) Veranstaltungen haben. Der Raum wurde entsprechend konzipiert und Gelder ebenso entsprechend investiert. Im selben Zuge kann angeführt werden, dass sich ursprünglich darauf geeinigt wurde, dass Mikrowellen für den Verzehr von warmen Speisen im Studierendenzentrum zur Verfügung stehen, während mit der verabschiedeten Nutzungsrichtlinie warme Speisen im gesamten Gebäude verboten wurden. 

Wir könnten jetzt auch noch mit den Öffnungszeiten oder auch dem Raumbuchungssystem weitermachen. Letztlich sind diese Entwicklungen jedoch nur Symptome des eigentlichen Problems: das Präsidium schert sich nicht um die Belange der Studierendenschaft. Unsere Bedürfnisse sind schlicht nicht der Rede wert, sofern diese nicht mit den Interessen des Präsidiums übereinstimmen. 

Wir haben jedoch nun die Chance zu zeigen, dass wir nicht einfach so zu übergehen sind. Wir wollen verdeutlichen, dass das Präsidium uns den gleichen Respekt entgegenzubringen hat, den es auch von unserer Seite einfordert. Wir wollen dem Präsidium klarmachen, dass wir es absolut scheiße finden, dass das Studierendenzentrum zu einem Lernbunker statt einem belebten Ort für Studierende und öffentlich zugängliche Angebote für Kultur und Bildung wird. Wir als Studierendenschaft haben eine laute Stimme und wir werden sie nutzen!

Am 27.06.2022 um 10 Uhr findet im Studierendenzentrum eine „Eröffnungsfeier“ im kleinen Kreise statt (inklusive Präsidium der Uni sowie den typischen Minister*innen, die sich dadurch womöglich noch „im Ruhm von Studiengebühren“ sonnen) und wir laden euch dazu ein, mit uns gegen dieses Gebäude und vor allem das Verhalten des Präsidiums zu protestieren – gleiche Zeit, gleicher Ort.

Wir fordern:

– Die Meinungen und Bedürfnisse der Studierendenschaft müssen ernstgenommen werden!

– Das Präsidium der Uni Osnabrück muss sich das eigene Fehlverhalten eingestehen!

– Die Änderungen des Nutzungskonzeptes für das Studierendenzentrum, die gegen den Willen der Studierendenschaft getätigt wurden, müssen entfernt werden! Vor allem muss der Multifunktionsraum entsprechend der ursprünglich geplanten Kapazität und Öffentlichkeit nutzbar werden und der Verzehr von warmen Speisen erlaubt sein!

[1] Stellungnahme im Januar: https://kleinestrolche.wordpress.com/2022/01/18/studizentrum-in-studihand-oder-abgebrannt/

[2] https://www.asta.uos.de/news/2021-25/unterstuetzung-der-forderungen-zum-studierendenzentrum-durch-fachschaften  Die Fachschaft Politikwissenschaft wurde in der Veröffentlichung vergessen, weshalb 23 und nicht nur 22 Fachschaften die Forderungen unterstützen.

Hier kommt ihr zur Telegram Gruppe für die weitere Planung!

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Studizentrum in Studihand oder abgebrannt!

5 MILLION€N LEERE VERSPRECHEN?!

Das Studierendenzentrum ist da! Also fast, wenn es nach all den bisherigen Verzögerungen denn mal zur Eröffnung kommt. Möglicherweise ist das auch bloß ein weiteres Symptom für das „hervorragende“ Fahren-auf-Sicht des Präsidiums der Universität Osnabrück. Doch repräsentiert der bisherige Verlauf der Angelegenheit schon vor der Eröffnung den desaströsen Zustand, in dem sich viele universitäre Gebäude befinden, die ihrem Schicksal vollständig überlassen werden [1].

Für uns gibt es mittlerweile aber ohnehin keinen Grund mehr, sich auf die Eröffnung zu freuen. Wir klagen an, dass das was auf dem „StudZ“ draufsteht, nicht drin ist! Das Studierendenzentrum ist allenfalls eine weitere „Lernfabrik für Wenige“ [2], die dazu dient, die fließbandartige Produktion der zukünftigen Arbeitskräfte anzutreiben. Ein Prestigeobjekt „unserer“ neoliberalen Universität, das Lern- und Arbeitsplätze zur Verfügung stellt und somit zur Reproduktion der immergleichen Wissensbestände und Qualifikationen beiträgt [3]. Darüber hinaus wird das als Begegnungs- und Kulturort angepriesene Studierendenzentrum diesem Versprechen nicht gerecht, da Nicht-Studierende keinen Zutritt zu dem Gebäude haben sollen. Außerdem werden die Kapazitäten des Multifunktionsraumes künstlich klein gehalten. Anstatt der geplanten 200 Personen dürfen laut Nutzungsrichtlinie nur noch 99 Studierende in den Multifunktionsraum [9]. Wie es in einem so abgeschlossenen Kreis zu Begegnungen und kulturellem Austausch kommen soll, ist uns schleierhaft.

Wäre das nicht ein ausreichender Grund zur Wut? Ja! Aber da kommt noch mehr. Denn der Nutzungsrichtlinie dieses Gebäudes wohnt der Abgesang der Kooperation zwischen Studierendenschaft und universitärer Leitung inne.

Wie der AStA bereits berichtete [2], wurde das Studierendenzentrum maßgeblich durch ehemalige studentische Gelder (5 Millionen Euro Rücklagen früherer Studiengebühren) mitfinanziert. Ebenso sollte die Studierendenschaft mindestens weitere 30.000 Euro zuschießen, um die Erstausstattung des Gebäudes zu finanzieren. Neben dieser finanziellen Beteiligung erhielt die Studierendenschaft die Ehre, mit einer vom Studierendenrat entsandten Planungsgruppe an der Gestaltung des Gebäudes „mitzuwirken“. Diese studentische Partizipation hat sich jedoch als Zumutung und leeres Versprechen offenbart. So legten die beteiligten Akteur*innen der universitären Verwaltung konsequent einen unverschämten Umgang mit den studentischen Vertreter*innen an den Tag [4]. Sie ignorierten die Wünsche, nahmen Zusagen zurück und schmetterten spätere Forderungen der Studierendenschaft ab [2,5,9].

Auch unabhängig vom Studierendenzentrum ist das die Erfahrung, welche der AStA, der Studierendenrat und die Fachschaften in letzter Zeit mit dem Präsidium machen. Eine studentische Mitwirkungsmöglichkeit wird scheinbar nur vorgegaukelt, wenn es dem Symbol einer demokratischen Hochschule dient, Dozierende zur Präsenzlehre drangsaliert werden sollen [10] oder es der Universität finanzielle Vorteile bietet. So schien das Präsidium Verhandlungen mit dem Studierendenrat zunächst offen gegenüberzustehen, um sich circa 100.000 Euro für die Erstausstattung doch noch sichern zu können [6].

Es wurde sich jedoch spontan wieder umentschieden, da während der „gemeinsamen“ Terminsuche unangekündigt die Nutzungsrichtlinie – ohne Absprachen und ohne Informierung der studentischen Planungsgruppe – verabschiedet wurde [9]. Und das, obwohl die Nutzungsrichtlinie vom Studierendenrat, AStA und einem Großteil der Fachschaften im Voraus schärfstens kritisiert wurde [2,6,7,8].

Das Studierendenzentrum wird kein Ort für Studierende, sondern vielmehr ein Mahnmal für die konsequente Abwertung der Studierendenschaft durch das Präsidium der Universität Osnabrück.

Deshalb rufen wir zum Protest auf und fordern weiterhin:

  • Die Ermöglichung von Veranstaltungen im Erdgeschoss des Gebäudes, wie es im ursprünglichen Konzept für das Gebäude eingeplant war
  • Ein studentisches Votum für die Änderungen der Nutzungsrichtlinie des Studierendenzentrums
  • Möglichkeiten zum Aufwärmen mitgebrachter Speisen
  • Öffnungszeiten die einer flexiblen Lern- und Arbeitsweise gerecht werden
  • Einen respektvollen Umgang mit unseren studentischen Vertreter*innen
  • Ein studentisches Mitspracherecht bei der Ernennung der Geschäftsführung für das Studierendenzentrum

[1] siehe Archiv Textiles Gestalten, in dem durch einen Wasserschaden etliche Objekte zerstört wurden und seitens der Uni keine (bekannten) Ansprüche an den Vermieter gestellt wurden.

[2] https://www.asta.uos.de/news/2021-25/gut-studieren-und-leben-was-wird-aus-unserem-studizentrum (Stand: 07.11.2021).

[3] Siehe dazu u.a. §2 der StudZ-RL. Es wird kein Hehl darum gemacht, dass diese Einrichtung vor allem ein Ort der Arbeit und des Qualifikationserwerbes darstellen soll. Dass es ebenso einen Raum für hochschulpolitisches Engagement und studentischen Veranstaltungen bieten möchte, ist wohl eher als humoristische Randnotiz einzuordnen.

[4] So wurden die Mitglieder der Planungsgruppe regelhaft, wenn sie kritische Anmerkungen äußerten, als illegitime Vertretung der Studierendenschaft denunziert.

[5] Siehe dazu auch die E-Mail der Vizepräsidentin für Studium und Lehre Martina Blasberg-Kuhnke an den StuRa (Protokoll zur 5. StuRa-Sitzung vom 07.07.2021, 9. Wahlperiode, Anlage 1)

[6] Protokoll der 7. Sitzung des Studierendenrates (9. Wahlperiode) am 20.10.2021 (in der dazugehörigen Stud.IP-Veranstaltung).

[7] Protokoll der 6. Sitzung des Studierendenrates (9. Wahlperiode) am 08.09.2021 (in der dazugehörigen Stud.IP-Veranstaltung).

[8] https://www.asta.uos.de/news/2021-25/unterstuetzung-der-forderungen-zum-studierendenzentrum-durch-fachschaften (Stand: 08.11.2021). Die Fachschaft Politikwissenschaft wurde in der Veröffentlichung vergessen, weshalb 23 und nicht nur 22 Fachschaften die Forderungen unterstützen.

[9] https://www.asta.uos.de/news/2021-28/nutzungsrichtlinie-beschlossen-studizentrum-bleibt-lernfabrik (Stand: 08.11.2021).

[10] In der Corona-Runde vom 01.09.2021 forderte das Präsidium die anwesenden studentischen Vertreter*innen auf, „Druck“ auf die Dozent*innen auszuüben, die im WiSe2021/22 noch keine Präsenzveranstaltungen anbieten wollten, und mokierte sich über die angebliche Wehleidig- und Bequemlichkeit einiger Dozent*innen. Dies fand leider keinen Einzug in das Protokoll.

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Send in the clowns: die Juso Hochschulgruppe


Beinahe könnte es für eine Auseinandersetzung mit Jusos ja reichen, auf ihre Rolle als Fußvolk und Erziehungseinrichtung der SPD hinzuweisen (das machen wir auch kurz, keine Sorge). Allerdings nehmen wir als seriöseste der Hochschulgruppen den politischen Wettbewerb auf dem Markt der Ideen natürlich ernst und setzen uns aus Anlass der bevorstehenden Stura-Wahlen konkret mit der örtlichen Juso-Hochschulgruppe (HSG) auseinander. Auch hier gibt es zu unserer Freude nämlich keinen Mangel an kritikwürdigem Material.

Aber zunächst ganz allgemein. Die wesentliche Funktion der Jusos als Organisation besteht darin, völlig berechtigte Kritik an der bestehenden kapitalistischen und nationalistischen Gesellschaft der BRD auf dem politischen Kinderspielplatz ins Leere laufen zu lassen und sie systemkonform zu kanalisieren, d.h. sie so in den Rahmen dieser Gesellschaft zu integrieren, dass sie nicht mehr darüber hinausweisen kann. Staat, Nation, Privateigentum und Ausbeutung als grundlegende Verhältnisse dürfen dabei nicht in Frage gestellt werden. Auch möglicherweise hoffnungsvolle Jusos werden auf die Rolle als Handlanger*innen für die SPD und vor allem den Standort abgerichtet, auf dass sie „realpolitisch“ die aktive Verelendung von Menschen in der BRD und etwa in Griechenland zu tragen bereit sind, den Massenmord an den europäischen Grenzen dulden (oder alternativ die Hilfe für gesuchte Völkermörder, Menschen an der Flucht zu hindern), die Unterstützung und Bewaffnung faschistischer und islamistischer Regime hinnehmen und Bemühungen unterminieren, lebensnotwendige Infrastruktur wie Wohnraum dem Profitinteresse zu entziehen.

Anschaulich wird dies zum Beispiel an der Person Kevin Kühnerts, der immerhin auch zwei Minuten Zeit gefunden hat, sich für die Osnabrücker Juso-HSG vor die Kamera zu stellen und ausgerechnet mit dem Thema Wohnraum wahlzuwerben [1]. Durfte Kühnert sich (als damaliger Juso-Vorsitzender) noch 2019 für die Vergesellschaftung von Privateigentum an Wohnraum und Produktionsmitteln aussprechen, agitierte er nur zwei Jahre später gegen den Volksentscheid zur Enteignung großer Immobilienkonzerne in Berlin [2]. Aber als tatsächlicher Jung-Sozialist wird man eben nicht Generalsekretär der SPD. Wie dem auch sei. Auch die Osnabrücker Juso-HSG hat einiges zu bieten. Allerdings ist sie auch hierbei notwendigerweise im Kontext ihrer übergeordneten Partei zu betrachten, betonten sie bei der Podiumsdiskussion am 11.01.2022 doch stets ihre Vernetzung mit der SPD als Vorteil, da sie dadurch mittelbar über die Regierungspartei die Situation der Studierenden signifikant verbessern könnten, wenn sie nur von genügend Studierenden gewählten werden. Dass sie bei Kritik an der SPD jedoch eine 180-Grad-Wendung machten und darauf beharrten, dass sie ja nicht die SPD seien, hat (im Nachgang) nicht nur bei uns Strolchen für Irritation gesorgt; mal davon abgesehen, dass diese Form der Wahlmotivation à la „Wählt die Jusos, sonst ignoriert uns die Regierungspartei“ doch eher einer Erpressung der Studierendenschaft gleicht, statt einem demokratischen Vorgang. Ebenso erscheint es übrigens fragwürdig, die Plakate anderer HSGs mit Stickern der eigenen Gruppe zu überkleben, liebe Jusos [3].

Fangen wir doch einfach beim Wohnraum an. Erstmal ist es ja charmant, dass die Jungsozialdemokrat*innen bezahlbaren Wohnraum (bzw. den Mangel daran) als Problem identifiziert haben [4]. Hurra. Ein bisschen unklar scheint aber zu sein, wo die HSG eigentlich ansetzen möchte. Kevin (unter Möchtegerngenoss*innen können wir uns schon duzen) zufolge bräuchte es eigentlich nur Unis, die vielfältig ausgestreckte Hände annehmen müssten [1]. Dass in Niedersachsen vor allem die chronische öffentliche Unterfinanzierung der Studierendenwerke (2020 sollte diese nach den Vorstellungen der Jusos einfach durch höhere studentische Beiträge ausgeglichen werden [5]) und die politischen Rahmenbedingungen diese daran hindern, ausreichend Wohnraum zur Verfügung zu stellen, bleibt unbeachtet. Ist ja auch unpraktisch, wenn die SPD als Regierungspartei dafür wesentlich mitverantwortlich ist (oder wie in Berlin erfolgreiche Volksentscheide blockiert [6]).Nun gut, vielleicht müssen wir einfach nachsichtig sein, schließlich stehen (besonders deutsche) Sozialdemokrat*innen seit über 100 Jahren nur selten auf der richtigen Seite der Geschichte und die Jusos hier an der Uni versuchen gleich mehrere Räder neu zu erfinden.

Das grundsätzlich lobenswerte Interesse an der geistigen Gesundheit von Studierenden, welches sie wiederkehrend äußerten, wird dadurch konterkariert, dass tatsächlich bestehende Strukturen wie etwa das Projektreferat „Happy Campus“ nicht zur Kenntnis genommen und Bemühungen des AStA, Erkenntnisse eben über die geistige Gesundheit von Studierenden während der Pandemie zu gewinnen [7], nicht beachtet werden. Beinahe erstaunlich gut dazu passen frühere Versuche der Juso-HSG, sich des Stresses im Studium anzunehmen, indem sie vorschlagen, Studierende einfach zur Bewältigung ihres Pensums mit mehr Koffein vollzupumpen [8].Gleiches gilt für die Forderung, Menstruationsartikel auf Unitoiletten kostenlos zur Verfügung zu stellen [9], die geflissentlich die Anstrengungen, die die Bloody Maries in Bezug eben darauf bereits unternommen haben außer Acht lässt.Berechtigterweise äußerten die Bloody Maries Kritik an der diesbezüglichen Herangehensweise der Jusos, zeigten ihr eigenes bisheriges Engagement zur Beseitigung dieses Missstandes auf und machten deutlich, dass sich die finale Realisierung des Projekts (wieder mal) aufgrund des Unwillens der universitären Leitung verzögert [10]. Wie zu erwarten, zeigten sich die Jusos jedoch nicht sonderlich einsichtig [11] – statt sich einzugestehen, dass sie sich mit bisherigen Strukturen nicht angemessen auseinandergesetzt haben und statt möglicherweise eine Kooperation mit dieser studentischen und feministischen Initiative anzustreben, zeigten die Jusos umso deutlicher ihre hochschulpolitische Unwissenheit und ihren Reflex, studentisches Engagement zu delegitimieren, wenn es denn gilt, die eigenen Verfehlungen zu verschleiern [12]. Statt halbgare Alternativen auf den Weg zu bringen, die je nach Wahlergebnis wieder aufgehoben werden können, gilt es langfristig für bessere Umstände zu kämpfen und auch die Universität an entsprechenden Stellen in die Verantwortung zu nehmen, da es bei dem Projekt schließlich um Räumlichkeiten der Uni geht. 

Da ihr auf dem Feld der Hochschulpolitik grundsätzlich noch etwas im Dunkeln zu tappen scheint, hier nochmal ein Tipp: Ihr tretet gerade zur Wahl zum Studierendenrat an – nicht für die AStA-Wahlen. Vielleicht hättet ihr euch da vor eurem Wahlkampfvideo nochmal schlau machen sollen, welche Gremien gerade eigentlich gewählt werden, bevor ihr mit dem Grundgesetz im Anschlag eure Passion für politische Bildung präsentiert 😉 [13].

Nun ist die bloße Unkenntnis über Hochschulpolitik alleine nicht zwangsläufig tadelnswert, sieht aber eben auch nicht besonders gut aus, wenn man sich eigentlich explizit damit auseinandersetzen möchte – vor allem, wenn man den Anspruch an sich selber stellt, die „Uni retten“ zu wollen [14]. Bezeichnend ist dieser Anspruch aber für die Standortverbundenheit der Jusos, die offensichtlich einer Trickle-Down-Phantasie im akademischen Bereich anhängen, wenn sie das Wohlergehen der Universität als Institution vor die Interessen von Studierenden stellt. Dass diese zwei Dinge nicht in eins fallen und insbesondere die Zwänge des universitären Haushalts guten Studienbedingungen entgegenstehen, müsste auch hier vor Ort spätestens mit der Schließung der Kunstgeschichte aufgefallen sein [15]. Aber die jungen Sozialdemokrat*innen beschäftigen sich nicht nur mit der Uni selber, sie wollen auch allgemein antifaschistisch sein [14] (was sie aber scheinbar in ihrem aktuellen Wahlvideo aufgrund der vielen Grundgesetze wieder vergessen haben [13]). Schön. Leider beschränkt sich dieser Anspruch im Wesentlichen auf erstmal nicht verwerfliche Symbolpolitik; etwa darin das Sommersemester nicht mit SS abkürzen zu wollen [16]. Man denke daran, wie unschön das im Sommer 2088 aussähe! Das Sommersemester 2018 war schon eine Katastrophe! 🤡
Problematisch wird dies aber, wenn antifaschistische Politik dort, abgesehen von einer mutmaßlich ahistorischen Beschäftigung mit dem sehr historischen deutschen Nationalsozialismus, auch schon wieder endet und nicht mit der Analyse real existierender Gesellschaft verbunden wird – der geforderte „Kampf gegen Rechts“ also ohne Kontext im luftleeren Raum steht oder sogar in direkten Gegensatz zur Auseinandersetzungen mit Polizeigewalt und Verschwörungsmythen gebracht wird [17]. 
Dass nahezu allen Verschwörungsmythen ein mindestens latent antisemitisches Element innewohnt, der Kampf gegen Verschwörungsideologie also in direktem Zusammenhang mit dem „Kampf gegen Rechts“ steht, könnten selbsterklärte Antifaschist*innen auch wissen, wenn Faschismus und Antisemitismus nicht bloß als ahistorische Artefakte verstanden würden. Und auch Polizeigewalt könnte durchaus fruchtbar in Zusammenhang mit autoritären Entwicklungen gebracht werden, etwa bei immer mehr Befugnissen für so genannte „Sicherheitsbehörden“, bei immer weniger Kontrolle über ebenjene, bei der massiven Verstrickung von Polizei und Militär in rechte Netzwerke (nicht nur in der BRD), oder bei der faktischen Nichtverfolgung von selbst nach freiheitlich-demokratisch grundgeordneten Maßstäben nicht gerechtfertigter Gewalt bis hin zum Mord. Könnte man, wenn man denn wollte. Wenn man nicht will, verhindert man als Sozialdemokrat*innen eben weitere Aufklärung des Polizeimordes an Oury Jalloh (oder überhaupt welche) [18]. Ebenso ignoriert man Polizeigewalt auch dann, wenn sie einem einen Kanister Pfefferspray ins Gesicht haut (Hallo, Olaf Scholz) [19]. 

Dass die örtliche Juso HSG es für angebracht hält, sich im Rahmen der Podiumsdiskussion auf schlicht und ergreifend herbeiphantasierte Aktivitäten des Verfassungsschutzes gegen uns zu beziehen und ausgerechnet die Helfer*innen des NSU, antikommunistische Gespensterjäger*innen (die selbst in der SPD-Führung Linksradikale erkennen wollen) und Apologet*innen rechten Terrors als vertrauenswürdige Institution anzusehen, spricht ebenfalls Bände.

Wirklich überraschend ist das alles angesichts der oben angesprochenen Funktion der Jusos nicht. Schließlich dürfen grundsätzliche gesellschaftliche Probleme nicht erkannt werden, will man bei deren fortgesetzter Ausführung nicht dauerhaft die menschenfeindlichen Verhältnisse des gesellschaftlichen Ganzen offenlegen. Absurd wird dies allerspätestens dann, wenn die jungen Demokrat*innen die eigene mal mehr, mal weniger direkte Mitwirkung an den menschenverachtenden Ekelhaftigkeiten dieser Gesellschaft und deren Perpetuierung anderen zum Vorwurf und den Unwillen sich aktiv an dem Elend zu beteiligen zum Problem machen. Und, da die Jusos mutmaßlich keine Kapitalist*innen sind: Der korrekte Begriff ist nicht Klassenfeind [20], sondern Klassenverräter(*innen), und immerhin damit sind sie bei den Mördern von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht goldrichtig. Aber auch damit werden sie vermutlich wenig anfangen können, bräuchte es dafür ja überhaupt erstmal ein Verständnis von Klassen und Klassengesellschaft. Da dieses offensichtlich nicht vorhanden ist, bleibt als angeblich proletarisches Residuum bloß die Jogginghose [14]; der Sozialismus nur als Ästhetik, die sich im inhaltlosen und erbärmlichen Absingen der Internationalen nach Parteitagen äußert.

Uns rettet kein höheres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, kein Tribun, und erst recht keine SPD oder ihr Nachwuchs.

Für tatsächlich linke Hochschulpolitik: Vom 17. bis zum 20. Januar 2022 Kleine Strolche wählen! Und noch besser: Organisiert euch!

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[1] https://www.instagram.com/tv/CW7f91bApvk/?utm_source=ig_web_copy_link (Stand: 10.01.22).
[2] Siehe dazu beispielsweise: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1156686.spd-vize-kevin-kuehnert-die-kehrtwende.html (Stand: 10.01.2022).
[3] So in diesem Wahlkampf geschehen. Dies haben wir selbstverständlich dokumentiert. 
[4] https://www.stura.uni-osnabrueck.de/hsg/juso (Stand: 10.01.2022).
[5] Siehe Wahlwerbung der Jusos zu den StuRa-Wahlen 2020: „Wenn ihr also beispielsweise auch für die Ausweitung der Nutzungszeiten der einzelnen Bereichsbibliotheken, einer Kostenübernahme in der Mensa seitens des AStA und/oder einer Verpflichtung der Dozent*innen in puncto Uploadpflicht von Dateien seid, setzt euer Kreuz bei uns! [Hervorhebung durch Kleine Strolche]“, entnommen aus https://www.facebook.com/events/2562847704004396/ (Stand: 10.01.22).
[6] Siehe dazu beispielsweise: https://www.dwenteignen.de/2021/12/wer-den-volksentscheid-nicht-umsetzen-will-sollte-nicht-regieren/ (Stand: 10.01.2022).
[7] https://www.asta.uni-osnabrueck.de/news/2020-14/umfrage-zur-allgemeinen-situation-der-studentinnen-der-universitaet-osnabrueck-waehrend (Stand: 13.01.2022) und https://www.asta.uni-osnabrueck.de/news/2021-01/ergebnisse-umfrage-wise2020 (Stand: 13.01.2022).
[8] Siehe https://www.facebook.com/JusoHSGUOS/photos/a.554702081271026/2423713844369831/ (Stand: 13.01.2022) oder auch unsere retrospektive Würdigung dessen: https://kleinestrolche.wordpress.com/2020/01/16/this-is-what-democracy-looks-like/ (Stand: 10.01.2022).
[9] Siehe die Sticker der Jusos, die im diesjährigen StuRa-Wahlkampf an einigen Stellen platziert wurden.
[10] https://www.instagram.com/p/CYeeRdEsAQW/?utm_source=ig_web_copy_link (Stand: 11.01.2020).
[11] Siehe dazu die Antwort der Juso-HSG unter dem in [10] verlinkten Beitrag. Auch bei der Podiumsdiskussion am 11.01.2022 hebten die Jusos ihre Ablehnung der Kritik von den Bloody Maries ungefragt hervor.
[12] Dies zeigte sich beispielsweise bereits in der 1. Sitzung des aktuellen Studierendenrats am 21.04.2021, indem eine sehr prominente Vertreter*in der Jusos zunächst gegen eine Verkleinerung der AStA-Referats für Soziales, Gleichstellung und Inklusion plädierte, um dann bei Gegenrede die gesamte Arbeit dieses Referates in den Dreck zu ziehen. Dieser Punkt wird im dazugehörigen Protokoll leider nicht in seiner vollen Gänze wiedergegeben: https://www.stura.uni-osnabrueck.de/sites/stupa.uos.de/files/common/01._21042021_oe.pdf (Stand: 11.01.2022).
[13] Siehe dazu das Video zur StuRa-Wahl, welches die Juso-HSG über den AStA-Instagramkanal und ihren eigenen Kanal veröffentlicht hat: https://www.instagram.com/tv/CYqxkzjp1lZ/?utm_source=ig_web_copy_link (Stand: 13.01.2022).
[14] Siehe die Profilbeschreibung der Jusos auf Instagram: https://www.instagram.com/jusohsg.osna/?hl=de (Stand: 13.01.2022).
[15] Zu Standortpolitik und wie diese den studentischen Interessen entgegenläuft haben wir bereits vor einiger Zeit im Zusammenhang mit der Liberalen HSG etwas geschrieben: https://kleinestrolche.wordpress.com/2020/01/16/this-is-what-democracy-looks-like/ (Stand: 10.01.2022).
[16] https://www.instagram.com/p/CJvw7DPhDcX/?utm_source=ig_web_copy_link (Stand: 13.01.2022).
[17] https://www.instagram.com/p/CK539HsABzA/?utm_source=ig_web_copy_link (Stand: 11.01.2022). Hier prophylaktisch der Hinweis: uns ist bekannt, dass diese Memes im Rahmen eines „Wettbewerbes“ geteilt wurden. Das verleiht der Verbreitung – ohne jeglicher kritischer Würdigung – jedoch nicht weniger den Charakter einer Zustimmung dieses Unsinns.
[18] Siehe dazu beispielsweise: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1156156.oury-jalloh-spd-verhindert-aufklaerung-im-fall-jalloh.html (Stand: 13.01.2022) oder auch https://www.zeit.de/politik/deutschland/2021-08/oury-jalloh-spd-sachsen-anhalt-tod-untersuchungsausschuss?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F (Stand: 13.01.2022). Für weitere Informationen: https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/ (Stand: 13.01.2022).
[19] Siehe dazu beispielsweise: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1154313.g-rechtsstaatsdefizit-mit-ansage.html (Stand: 13.01.2022) oder auch https://mmm.verdi.de/beruf/g20-festival-der-verletzten-grundrechte-42911 (Stand: 13.01.2022).
[20] https://www.instagram.com/p/CLBralNAIZW/?utm_source=ig_web_copy_link (Stand: 11.01.2022). Die Anmerkung in [17] gilt ebenso hier.

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StuRa-Wahlen 2022 – Warum ihr uns wählen solltet

17. & 18.01. Mensa Westerberg (11-16 Uhr)
19. & 20.01. Mensa Innenstadt (11-16 Uhr)


Wir, die kleinen Strolche, sind seit Jahren eine kritische und linke Stimme im Studierendenrat, betreiben aber auch darüber hinaus emanzipatorische Gesellschaftskritik und Politik. Anders als die meisten anderen Hochschulgruppen stehen wir dabei explizit keiner politischen Partei nahe.

Wir setzen uns im Studierendenrat konsequent für studentische Selbstverwaltung und die Förderung studentischer (Eigen-) Initiativen ein. Seit unseren frühsten Anfängen (wir sind übrigens die älteste Hochschulgruppe!) sind wir sehr aktiv im Initiativenausschuss des StuRas und konnten in der Vergangenheit auch die Förderung kritikwürdiger/rechter Initiativen verhindern. Allgemein gehen wir entschieden gegen antisemitische, rassistische, antifeministische und nationalistische Ideologien in der oder im Umfeld der Universität vor. In den letzten Jahren haben wir uns bspw. politisch mit Verschwörungsideolog*innen, islamistischen Gruppen und Burschenschaften in Osnabrück auseinandergesetzt.

Darüber hinaus stellen wir uns gegen die fortschreitende Durchsetzung marktwirtschaftlicher Zwänge in Wissenschaft und Bildung und lehnen die Verwertung immer weiterer Teile unserer aller Leben ab. In diesem Sinne beteiligten wir uns beispielsweise an den Protesten gegen die Schließung der Kunstgeschichte zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit der Uni Osnabrück und an zahlreichen anderen bildungspolitischen Protesten.

Seit sechs Jahren organisieren wir die Kritischen Erstiwochen, in denen wir im Rahmen eines mehrwöchigen Veranstaltungsprogramms knapp 30 linke und alternative Gruppen und Initiativen aus Osnabrück vorstellen. Wir bieten damit Studierenden (und Nicht-Studierenden) ein niedrigschwelliges Angebot, um sich (erstmals) mit gesellschaftskritischen Themen auseinanderzusetzen und Kontakt zu anderen Studierenden sowie studentischen Initiativen/außeruniversitären emanzipatorischen Gruppen in Osnabrück herzustellen.

Generell sind wir innerhalb der Universität und darüber hinaus politisch sehr gut vernetzt und arbeiten in vielen Belangen mit Gruppen und Initiativen zusammen, um gemeinsam studentische Interessen durchzusetzen und an den richtigen Stellen Druck zu machen.

Um uns unter den gegebenen hochschulpolitischen Verhältnissen für bessere Arbeits- und Studienbedingungen an der Universität, gegen das Instrument der Regelstudienzeit, gegen jede Form von Studiengebühren, gegen Leistungszwang und Konkurrenz einzusetzen, sind wir sehr aktiv in den zahlreichen Gremien und Ausschüssen innerhalb der Studierendenschaft. Im Studierendenrat haben wir derzeit 13 der 49 Sitze inne und decken diese – im Gegensatz zu vielen anderen Hochschulgruppen – in den StuRa-Sitzungen tatsächlich (nahezu) vollständig ab. Da andere gewählte Hochschulgruppen dafür bekannt sind, regelmäßig mit Abwesenheit zu glänzen, konnte der StuRa bspw. im Dezember nicht einmal die notwendige 2/3-Mehrheit aufbringen, um Satzungsänderungen durchzuführen. Auch in den Ausschüssen des Studierendenrats ermöglichen wir oft überhaupt erst die aktive Arbeit, da die meisten anderen Hochschulgruppen gar nicht zu den Sitzungen auftauchen. Die Liberale Hochschulgruppe (LHG) und der RCDS kamen beispielsweise abseits der konstituierenden Sitzung nie auch nur zu einer einzigen Sitzung des Wahlausschusses. Ähnliche Muster zeigen die anderen Hochschulgruppen übrigens auch im Haushaltsausschuss, dem Initiativenausschuss sowie in der Satzungskommission. 

Der StuRa wählt einmal im Jahr den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), in dem wir gemeinsam mit anderen Hochschulgruppen und Einzelakteur*innen seit vielen Jahren vertreten sind und zu unterschiedlichen Schwerpunkten arbeiten. 

In Zeiten der Pandemie lag der Fokus des AStAs stark auf der Kritik am Corona Management der Uni und des Landes, wir setzten uns innerhalb des AStAs für das Solidarsemester ein, organisierten Proteste zur Kritik an der Bildungspolitik (z.B. an der mangelhaften Corona-Überbrückungshilfe) sowie an den undurchsichtigen und viel zu kurzfristigen Maßnahmen der Uni. 

Im Referat für Hochschulpolitik, in dem wir ebenfalls seit einigen Jahren mitarbeitentreten wir gegen das Instrument der Regelstudienzeit und jede Form von Studiengebühren ein und streben eine Repolitisierung und Wiederbelebung der Hochschulpolitik an, indem wir uns nicht scheuen, für studentische Belange zu streiten. 

Im Referat für Nachhaltigkeit, Umwelt und Ökologie haben wir uns in diesem Jahr mit der Organisation der Nachhaltigkeitswochen des Nordens beschäftigt und sorgen derzeit u.a. dafür, dass Studis Lastenräder zur Verfügung stehen auch wenn wir gleichwohl selbstverständlich nicht der Illusion verfallen, mit solchen Maßnahmen dem Klimawandel ausreichend entgegentreten zu können. 

Eine umfassende Analyse der Klimakrise und ihres Ursprungs war in der Vergangenheit bereits Thema von Vorträgen des Referats für politische Bildung und Antifaschismus, in dem wir ebenfalls seit Jahren mit vertreten sind und in dessen Rahmen wir zahlreiche Vorträge und Workshops zu Themen wie rechten Akteur*innen , Verschwörungsideologien, Rassismus & Polizeigewalt und Antisemitismus organisieren konnten. 

Als Teil des Öffentlichkeitsreferats haben wir uns in den letzten Jahren um die Präsenz studentischer Belange in der Presse bemüht; daran gearbeitet, die Präsenz des AStAs und der hochschulpolitischen Gremien innerhalb der Studierendenschaft zu fördern und euch mit Erstiheften versorgt.

Allgemein legen wir viel Wert auf die gemeinsame Arbeit im AStA, damit dort die zahlreichen Angebote des AStAs bestmöglich für euch nutzbar sind und ihr euch dort Hilfe bei allen möglichen Problemen (Stress mit Dozierenden, Rechtsfragen, etc.) holen könnt.

Das war‘s übrigens noch nicht! Wir engagieren uns derzeit auch in der studentischen Vertretung im Studentenwerk [sic], indem wir uns dort bspw. für studentischen Wohnraum in Studiwohnheimen einsetzen. Ebenfalls stellen wir derzeit gemeinsam mit der Grünen Hochschulgruppe (GHG) das Präsidium des Studierendenrats. Auch in der Planungsgruppe für das neue Studierendenzentrum sind wir vertreten und in damit verbundenen vergangenen sowie zukünftigen kritischen Aktionen ebenso involviert.

Viele von uns Strolchen sind auch über die Uni hinaus in emanzipatorischen Kontexten engagiert und betreiben politische Arbeit, statt leere Worthülsen zu gesamtgesellschaftlichen Problemen in die Hochschulpolitik zu werfen, die nicht mal ansatzweise von den jeweiligen Gremien ernsthaft behandelt werden können. Ein Beispiel hierfür findet sich bei den Jusos, die während der Senatswahlen mit bezahlbarem Wohnraum warben. Fraglich bleibt, wie sie diesen im Senat durchsetzen wollen, da dieser dafür natürlich nicht zuständig ist.

Ihr habt in den vergangenen Jahren euer Kreuzchen bei der Grünen Hochschulgruppe oder unseren Freund*innen von den Powerpuff Girlz* gemacht? Beide Gruppen treten in dieser Wahlperiode nicht mehr zur Wahl an, in den letzten Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass wir in den meisten Belangen übereinstimmten und gut zusammenarbeiten konnten. 

Fakt ist, dass die Kleinen Strolche in der nächsten Wahlperiode die einzige linke Hochschulgruppe sein werden. Dementsprechend rufen wir dazu auf, uns zu wählen, wenn ihr weiterhin nach linker Hochschulpolitik oder – wie wir zeigen konnten – überhaupt nach einem Fortbestehen der studentischen Selbstverwaltung in der Universität Osnabrück verlangt!

Wenn ihr uns wählen möchtet aber niemanden von unserer Liste kennt, wählt einfach eine der Personen, die weit oben stehen. Das kommt der ganzen Liste zugute!

Ihr habt Interesse, bei uns mitzumachen? Unser Plenum findet jeden ersten Montag im Monat um 16 Uhr statt, schreibt uns gerne eine Mail, falls ihr teilnehmen wollt (kleinestrolche@lists.riseup.net) oder schaut auf unseren Kanälen vorbei!

Facebook: https://www.facebook.com/kleinestrolchelinkehochschulgruppe
Instagram: https://www.instagram.com/kleinestrolche_linkehsg/

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Kritische Erstiwochen 2021



Vorsichtig wagen wir dieses Jahr wieder erste Schritte zu einer Kritischen Erstiwoche, die nicht nur online stattfinden kann. Dich erwartet dieses Jahr wieder ein breites Programm, das von vielen linken und alternativen Gruppen in Osnabrück gestaltet wird.
Aufgrund der noch immer anhaltenden Corona-Pandemie werden die Veranstaltungen in abgeänderter Form stattfinden müssen. Viele Veranstaltungen werden weiterhin online oder im Freien stattfinden. Wir wagen jedoch an manchen Stellen auch den Schritt in die Präsenz – unter den gegebenen Hygiene-Maßnahmen* versteht sich.

Wir hoffen euch mit dem aufgestellten Programm dieses Jahr wieder ein geselligeres „Kennenlernen“ zu ermöglichen, was in 2020 leider etwas zurückstehen musste. Außerdem bietet unsere Broschüre wie immer einen sehr guten Überblick, was es alles an linken und alternativen Organisationen und Gruppen in Osnabrück gibt, wo man vorbeischauen und sich ggf. einbringen kann.

Am Ende der Broschüre findest du eine Übersicht über die regelmäßigen Termine und Treffen aller Gruppen. Da diese erst seit der Lockerung der Corona-Maßnahmen wieder Fahrt aufnehmen, kann es stellenweise noch vorkommen, dass diese zurzeit noch im einem kleineren Rahmen oder online stattfinden. So haben uns auch nicht alle Gruppen einen Termin mitgeteilt. Wenn du dennoch Lust hast, dich bei ihnen einzubringen, kontaktierst du die Gruppe am besten direkt.

Falls du Lust haben solltest, bei den Kleinen Strolchen mitzumachen, dann ist das erwähnte offene Plenum die richtige Anlaufstelle. Falls du an diesem Termin verhindert bist, ist das natürlich kein Problem. Unser Plenum findet immer am ersten Montag im Monat um 16:00 Uhr statt und neue Gesichter sind immer gerne gesehen.

Jetzt erstmal viel Spaß beim Stöbern.
Die Kleinen Strolche

*Für die Gestaltung und Einhaltung der Hygiene-Maßnahmen sind die jeweiligen Veranstalterinnen verantwortlich. Bei Veranstaltungen die in den Räumen der Universität stattfinden, gilt das Hygiene-Konzept der Universität Osnabrück.

Hier könnt ihr die Online-Broschüre herunterladen:

** Update: Raumänderungen **

Likos 19.10. (Einführung Kapitalismuskritik) findet nicht in 15/130 sondern in 15/105 statt
Likos 20.10. (Vortrag zur Mieterbewegung) findet nicht in 15/130 sondern in 15/322a statt
Tierrechtsini 22.10. (Infocafe) findet nicht in 15/130 sondern in 15/115 statt



Für aktuelle Infos folgt ihr uns am besten auf Instagram und Facebook.

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Die Strolche sind großartig, alles andere ist Quark!

2020 ist passé und auch wenn dieses neue Jahr sich bereits anstellt, um dem alten in nichts nachzustehen, ist es doch gut, sich bei anderen Hochschulgruppen „in diesen schweren Zeiten“ auf eines verlassen zu können: Plumpen Populismus, StuRa-Sitzungsteilnahme eher so lala und Desinteresse an der Hochschulpolitik allgemein. (Zur Einschätzung des Studiums unter Corona-Bedingungen haben wir bereits einen Text verfasst. [1]) 

Das Jahr begann nach der StuRa-Wahl dann auch wenig überraschend. Zum Wahlkampf der 8. StuRa-Periode wurde noch von uns bemängelt, dass dieser bei anderen HSG kaum existent war und wenn doch eher gehaltlos verlief. [2]  Während der gesamten Amtsperiode glänzten LHG, Junge Union und Irfan meist wieder durch Abwesenheit. Ihrer Tradition bleiben sie auch sonst treu: wenn sie denn mal in Erscheinung treten, dann etwa durch die Imitation populistische Agitation irgendwo zwischen unwissenden Satire-Versuchen und Untergrabung von Prozessen. 

Die noch recht neue HSG Fleisch veröffentlichte im Mai 2020 kurzerhand selbst ausgedachte AStA-Referats-„Ausschreibungen“, die natürlich falsche Informationen enthielten, noch bevor überhaupt über die Gestaltung und den Zuschnitt des zukünftigen AStA abgestimmt wurde [3] Auch ansonsten fällt die Gruppe doch durch eher unkooperative Vorgehensweisen auf – auf Kritik reagiert man mit Korruptionsvorwürfen, Alle-haben-sich-gegen-uns-verschworen-Aussagen, zwinker-zwinker-versteckte-Drohung-Mails an Personen mit Funktionen in der Studierendenschaft oder bloßem Anschreien von Universitätsbeschäftigten, wenn man seinen Willen nicht bekommt. Apropos Willen nicht bekommen: letzte Woche wollte besagte HSG die aktuelle StuRa-Wahl dann glattweg per Eilantrag absagen lassen (und ist damit natürlich gescheitert). Weiterhin auf gute Zusammenarbeit. 

Aber was geht im aktuellen Wahlkampf denn sonst so bei den anderen Hochschulgruppen?

Die Junge Union heißt jetzt RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten [sic!]) und macht mit dem Namen auch direkt klar, woran einem gelegen ist – nämlich die 59% der Studentinnen an der Uni mindestens gedanklich, auf jeden Fall aber nach Listenaufstellung schon mal auszuschließen. [4] Ob das jetzt verwunderlich ist, sei mal dahingestellt, immerhin rekrutiert sich der RCDS nicht nur aus Jüngern der Union, sondern auch aus den reaktionären Männerbünden der pflichtschlagenden Landsmannschaft Marchia Berlin zu Osnabrück und dem VDSt (Verein Deutscher Studenten). [5] Ansonsten setzen sich die vorgestellten Kandidaten des RCDS alle für eine „ideologie“-freie Hochschulpolitik ein. Zunächst begrüßen wir das natürlich, heißt es doch das man sich dem Konservatismus des Oberverbandes entschlossen entgegenstellt! Leider blieb der Listenplatz 1 des RCDS eine Definition des Begriffs Ideologie schuldig – trotz mehrmaliger Nachfrage auf der diesjährigen Podiumsdiskussion*.
Das lässt eine*n natürlich etwas fragend zurück. Wie soll dieses quasi-revolutionäre Projekt angegangen werden? Was ist der Unterschied zwischen einer pragmatisch-bürgerlich-christlich-demokratischen Weltanschauung und einer Ideologie? Ist das schon die abschließende Erklärung der bisherigen Inhaltsleere und Phrasendrescherei des RCDS? Bitte schreibt uns doch eure Antworten – Genossen -, ihr wollt euch doch für mehr Transparenz (wo jetzt genau?) einsetzen. [12]

(*LHG und Fleisch hielten es nicht einmal für notwendig, überhaupt auf die Einladung zur diesjährigen Podiumsdiskussion zu antworten, geschweige denn dort aufzutauchen. Wir können nur wohlwollend annehmen, dass die Belastung im Studium einfach mal wieder zu hoch war, um sich an hochschulpolitischen Vorgänge konstruktiv zu beteiligen oder für mehr Transparenz zu sorgen. Wir verstehen das schon! Keine Sorge, wie immer vertreten wir für euch die Interessen der Studierenden konsequent.)  

Ebenso solidarisch geht es weiter mit der liberalen Hochschulgruppe. Laut ihrer StuRa-Seite stehen sie für die Förderung des Ehrenamts (z.B. Uni Funk und Uni Blutspende), mehr Transparenz im StuPa, ein sorgsamer Umgang mit Studienbeiträgen und die Unterstützung des Hochschulsports – und das schon seit 2009! Oh, warte, das war das letzte Mal, dass das Programm dort aktualisiert wurde. [6]
Zum Glück hat die LHG ja noch eine neue, geile Seite im hippen FDP-Design und auch kostenpflichtige Wahlkampfwerbung auf Instagram soll schon gesehen worden sein. Dickes Like dafür! Da weiß man doch gleich, dass man individuell auf die hiesige Uni Situation zugeschnittene Politik bekommt. Man setzt sich z.B. weiterhin für mehr Digitalisierung im Studium ein, verzichtet jetzt aber zumindest schriftlich auf den schlüpfrigen mit-dem-Prof-ins-Bett-Witz vom letzten Jahr [2]. Dass es wichtig ist, sich mit der digitalen Lehre auseinanderzusetzen (die dieses Jahr je nach Institut und Lehrenden mal so mal so geklappt hat), diese aber auch weiterhin kritisch zu beobachten, haben wir bereits in einem Text thematisiert [1]. Denn wo digital draufsteht, ist leider meist auch mehr Kontrolle drin und an die Stelle der versprochenen Freiheit durch Flexibilität tritt oft nur mehr Erwartungshaltung seitens der Chef*innen Professor*innen.

Des Weiteren fordert man im Handschlag mit dem RCDS auch (mal wieder) mehr Ideologiefreiheit (Liberalismus, anyone?) und will auf keinen Fall „extremistische“ Tendenzen an der Uni. Die kritische Aktion des AStA-Beutels ist dem gelb-lilanen Liberalen nämlich mal wieder aufgestoßen. Um ein Studium in Regelstudienzeit durchzupeitschen, wollen sie auf „bestmögliche Motivation“ – sprich in Aussicht gestellte Existenzangst und verknappende Flaschenhälse bei konsekutiven Masterstudiengängen – statt „staatsfeindlichem Ideologiewahn“ setzen. Ob staatsfeindlich hier heißt, dass man selbstbestimmt und unverschuldet durchs Studium gehen kann ohne durch arbiträre Anwesenheiten und verschulte Stundenpläne niedergebunden zu werden, konnte leider in der PM nicht beantwortet werden. Auch blieb man der Frage eine Antwort schuldig, warum sich der Allgemeine Studierendenaussschuss (bzw. Studierendenvertretungen allgemein) auf eine Linie mit der Universitätsleitung stellen sollte, die durchaus auch gegenläufige Interessen zu ihren Studierenden, Mitarbeitenden und Lehrenden vertreten kann. [7]

Zum Kampf der LHG (und anderer) gegen „extremistische“ Tendenzen haben wir auch schon einmal Stellung bezogen [8]. Seitens der LHG folgte letztes Jahr nochmal ein kleiner Auffrischer in einem geteilten Beitrag der LHG Uni Köln für Autonomie und gegen Autonome Gruppen, wie der „staatsfeindlichen“ Antifa. Man teilt die Meinung, dass Anti-faschismus an der Uni nichts zu suchen hat, und schon gar nicht finanziert werden sollte (z.B. durch ein AStA-Referat für politische Bildung und Antifaschismus, in dem letztes Jahr doch sogar ein LHGler als Referent tätig war 😉 ). Im Gegenzug setzte man sich jedoch volle Kante dafür ein, dass „[…] den FaschistInnen, AntifeministInnen, NationalistInnen, RassistInnen, AntisemitInnen und christlichen FundamentalistInnen der AfD die Tore der Universität weit[…]“ aufgerissen werden. [2] Ist das noch „Ideologie“-freiheit oder schon gute liberale Tradition [9]? 

War da noch was mit Solidarität? Ach ja, Blutspende! Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Uni Blutspende solidarisiert sich die LHG mit den Spenden der Studierenden… indem sie sie unter den sprichwörtlichen Karren schmeißt: „Desinteresse und Hektik sind der Grund, weshalb nur noch selten zugehört wird, wenn die Mitglieder der LHG versuchen, Menschen auf dem Campus und in der Stadt für die Spende zu begeistern.“ [10] Mit anderen Worten: dieselbe Hektik, die ein in Regelstudienzeit durchgepeitschtes Studium halt so hervorruft – eine Verbindung, die der LHG vor lauter „Ideologie“-Freiheit nicht aufzugehen scheint. 

Wir stellen fest: zumindest was die Hochschulpolitik angeht, haben auch Corona und das Jahr 2020 allgemein nicht viel dazu beitragen können, dass sich auch die anderen Hochschulgruppen mit den Verhältnissen, die uns umgeben, auseinandersetzen. Das mag an „Ideologie“-Freiheit liegen oder daran, dass man sein Mandat nur ernst nimmt, wenn es nicht direkt mit den eigenen Interessen kollidiert. Für eine emanzipatorische und positionierte Vertretung im StuRa, die fundierte Kritik an den Verhältnissen äußert, müssen dann wohl doch wieder die Kleinen Strolche gewählt werden.

(Nach wie vor lassen wir aber natürlich nichts auf unsere Freund*innen von den Powerpuffgirlz* kommen! <3) 

Wahltermine:
12.-14.01. Schloss (11-16 Uhr)
19.-21.01. Mensa Westerberg (11-16 Uhr)


Quellen:
[1] Corona und die StuRa-Wahlen https://kleinestrolche.wordpress.com/2020/12/28/corona-und-die-stura-wahlen/
[2] This is what democracy looks like https://kleinestrolche.wordpress.com/2020/01/16/this-is-what-democracy-looks-like/
[3] StuRa-Protokoll vom 17.06.2020 TOP 18
[4] Studierendenstatistiken der UOS https://www.uni-osnabrueck.de/universitaet/zahlendatenfakten/
[5] Kleine Strolche Instagram: Studentenverbindungen kappen! https://www.instagram.com/p/CJvdY3IH25u/
[6] StuRa-Seite der LHG https://www.stura.uni-osnabrueck.de/hsg/lhg
[7] LHG: PM Kritik an AStA Ersti Beuteln https://lhg-osnabrueck.de/2020/11/11/pm-kritik-an-asta-ersti-beuteln/
[8] eXtReMiSmUs https://kleinestrolche.wordpress.com/2019/06/25/extremismus/
[9] BR: FDP-Ministerpräsident von Björn Höckes Gnaden https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/analyse-fdp-ministerpraesident-von-bjoern-hoeckes-gnaden,Rpe10VD
[10] LHG: Jubiläum! 20 Jahre Uni-Blutspende. Eine Tradition in Gefahr? https://lhg-osnabrueck.de/2020/02/13/jubilaeum-20-jahre-uni-blutspende-eine-tradition-in-gefahr/
[11] LHG Facebook Post zur Blutspendeaktion https://www.facebook.com/lhg.osnabrueck/posts/3665248113519053
[12] Podiumsdiskussion zur StuRa-Wahl vom 11.01.202

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Corona und die StuRa-Wahlen?!

Mehrere Umfragen, unter anderem die des AStA, haben eigentlich ziemlich deutlich gemacht, wovon man vorher auch schon ausgehen konnte: Studieren unter Corona-Bedingungen ist scheiße. Es ist anstrengender, „ungerechter“, belastender und die sogenannten Hilfen des Staates sind albern.

Bundesweit haben knapp 40% der Studierenden ihre Jobs verloren. Die „Überbrückungshilfe“ des BMBF kam viel zu spät, mit maximal 500€ monatlich, die übrigens nur diejenigen bekommen, die bereits weniger als 100€ auf dem Konto haben, geht sie völlig an der Lebensrealität (in der Miete, Krankenversicherung, Semesterbeitrag und Essen nun mal nicht davon gedeckt werden) vorbei und war noch dazu mit einem irrsinnigen Antragsprozess verbunden. [1]

Nun zur Lehre:  84% der Studierenden an der Uni Osnabrück geben in der AStA-Umfrage für das Sommersemester 2020 an, dass ihr Arbeitsaufwand gestiegen ist; 48% sind nicht zufrieden mit dem Semester und laut den Befragten greifen knapp 50% der Lehrenden vornehmlich auf frontale Lehrmethoden zurück. [2] Nun muss man wirklich kein*e linke*r Sozialwissenschaftler*in sein um zu schnallen, dass es dabei insbesondere die Studierenden trifft, welche es ohnehin schon schwerer hatten. Die nun sehr spät durchgewunkene Nicht-Anrechnung ist zwar eine kleine Verbesserung, die nebenbei von vielen, insbesondere linken Studierendenvertretungen nachdrücklich eingefordert wurde, aber sie soll nur für ein Corona-Semester gelten. Dabei kann man schon jetzt davon ausgehen, dass es mindestens drei sein werden, in denen Studieren eben all das ist: anstrengender, „ungerechter“, belastender.

Studierende kosten den Staat aber nun mal Geld und sollen sich möglichst schnell auf dem Arbeitsmarkt als gewinnbringende Arbeitskräfte rentieren. Zu viel und vor allem zu lange (Aus-) Bildung (oder gar eine kritische) helfen dabei nicht. Aber auch die Lehrenden, insbesondere das Heer an prekär Beschäftigten im Wissenschaftsbetrieb, mussten unter verschlechterten Arbeitsbedingungen weiterarbeiten und zum Beispiel ziemlich kurzfristig auf digitale Formate umstellen. Dies bedeutete Mehrarbeit, bezahlt wurde sie aber natürlich nicht. Nun muss man auch wirklich kein*e Prophet*in sein, um zu wissen, dass mit der kommenden Wirtschaftskrise die Kürzungen auch im Bildungssektor nicht ausbleiben werden.

Neben den sozialen Verschlechterungen durch die Corona-Krise bekommt außerdem noch der Traum der zahlreichen Christian-Lindner-Jünger einen immensen Vorschub: die Digitalisierung der Lehre. Was zunächst wie eine Notlösung scheint, könnte der allgemeinen Etablierung der Digitalisierung von Bildung auch nach der Pandemie enorm helfen. Zunächst einmal dürften wohl alle Studierenden die Erfahrung gemacht haben, dass Seminare, Diskussionen und der Austausch im Allgemeinen darunter leiden. Natürlich hat die digitale Lehre dabei aber auch einige Vorteile, wenn sie Studierenden beispielsweise ein flexibleres Studium ermöglicht. Die Vorteile, die sich aus diesen neuen Formaten ergeben, wollen wir grundsätzlich gar nicht in Abrede stellen; wenn Vorlesungen auch aufgezeichnet werden und zum Abruf verfügbar sind, ist das durchaus eine gute Ergänzung und kann das Studium erleichtern. Nun leben wir aber in einer Gesellschaft, in der es am Ende immer um Profit geht, und wie schon beschrieben, sollen am Ende der Uni möglichst profitable Arbeitskräfte stehen. Das heißt, dass auch die Digitalisierung unter diesem Zweck steht, wobei die Studierenden nicht gerade gut wegkommen. Digitalisierung kann auch mehr Kontrolle bedeuten, so lässt sich bspw. Anwesenheit digital deutlich leichter kontrollieren. Die neu gewonnene Flexibilität kann ebenso eine weitere Entgrenzung von Studium und Freizeit bedeuten und mit steigenden Anforderungen einhergehen, wie sich bereits jetzt in der Umfrage vom AStA abzeichnet. Wie in den bisherigen Corona-Semestern teilweise ohnehin schon erkennbar wurde,  gelten bspw. Sorgetätigkeiten wie Kindererziehung plötzlich weniger als Grund bei Veranstaltungen zu fehlen oder gar länger zu studieren, schließlich geht ja jetzt beides „prima“ gleichzeitig von zuhause aus. Es bleibt also bei dem, was wir bereits im letzten Wahlkampf geschrieben haben: „Was erstmal nach schöner Abwechslung von Leistung, Leistung, Leistung klingt, bedeutet im Rahmen der gegebenen Verhältnisse das Gegenteil. Die fortgesetzte Aufweichung der Grenzen zwischen Arbeit, Studium und Freizeit geht immer auf Kosten letzterer, wenn noch der Müßiggang in Wert bzw. Leistungspunkte gesetzt werden (noch: können) muss. “ [3]
Um es also nochmal deutlich zu sagen: Wir sind absolut keine Technik-Feinde. Es geht vielmehr darum, dass auch Technik in dieser Gesellschaft entsprechend geformt und dem Zweck der Profitmaximierung unterworfen ist, also in gewisser Weise nicht neutral ist. Software privater Anbieter*innen wird eingesetzt, obwohl es – auch an unserer Uni – bereits ein breites und funktionierendes Spektrum an  nicht-proprietären Medien und Werkzeugen gibt. Außerdem: Dass nahezu alle Menschen, wir natürlich auch, heutzutage permanent über’s Smartphone erreichbar sind, hat in erster Linie nicht etwa zum Ergebnis, dass man dem*der Chef*in spontaner und flexibler absagen kann; es hat vielmehr zur Folge, ständig und überall für den*die Chef*in erreichbar zu sein und immer wieder kurzfristig einspringen zu müssen – Pflegekräfte können davon ein Lied singen. 

Was hat das alles mit den StuRa-Wahlen zu tun? 

Das Ganze hat insofern etwas mit den StuRa-Wahlen zu tun, als dass es maßgeblich darauf ankommt, wie stark eine Liste im StuRa vertreten ist, die grundsätzlich Entwicklungen an der Uni und in der Lehre kritisch in gesellschaftliche Entwicklungen einbettet – auch in Zeiten von Corona. Es ist von Belang, wie stark eine Liste vertreten ist, die grundsätzlich parteiisch auf Seiten der Studierenden steht, dabei allerdings nicht das Ausspielen von Lehrenden und Studierenden gegeneinander mitträgt. Aktuell zeigt sich einmal mehr, dass Lehrende und Studierende ein gemeinsames Interesse haben: bessere Studien- und bessere Arbeitsbedingungen sowie höhere Löhne stehen nämlich nicht im Widerspruch zueinander. 

Oder konkret: Im StuRa braucht es Menschen, die der Digitalisierung der Lehre mit ihren Folgen kritisch gegenüber stehen und sich dafür einsetzen, dass Proteste und im besten Falle Streiks organisiert werden, die gerade in Anbetracht der zu erwartenden Kürzungen im Bildungs- und Wissenschaftssektor perspektivisch notwendig sein werden. Schlussendlich hängt davon auch ab, ob es einen kritischen AStA gibt, denn dieser wird wiederum durch den StuRa gewählt. Ob es also einen AStA gibt, der bspw. entsprechende Umfragen und Protest organisiert, auf Seite der Studierenden steht, sich klar politisch äußert [4] und zusätzlich noch den üblichen Service managt, oder ob es einen reinen „Service“-AStA gibt, der zwar Bullis verleihen kann, aber an politischen Kräfteverhältnissen nichts ändern kann und will, hängt mit davon ab, wem ihr bei dieser StuRa-Wahl eure Stimme gebt.

Deshalb: vom 12. bis zum 14. Januar im Schloss und vom 19. bis zum 21. Januar in der Mensa am Westerberg die Kleinen Strolche wählen!

Bis zum 05.01. könnt ihr auch noch ganz einfach Briefwahl beantragen: https://www.asta.uni-osnabrueck.de/WahlenStuRaFSR2021

[1] https://www.fzs.de/2020/07/02/nothilfe-beantragung-ist-intransparent-ethisch-fragwuerdig-und-technisch-katastrophal-umgesetzt/
[2] https://www.asta.uni-osnabrueck.de/news/2020-14/umfrage-zur-allgemeinen-situation-der-studentinnen-der-universitaet-osnabrueck-waehrend
[3] https://kleinestrolche.wordpress.com/2020/01/16/this-is-what-democracy-looks-like/
[4] https://www.asta.uni-osnabrueck.de/news/2020-13/politisches-mandat-asta-bleib-bei-deinen-leisten

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Kritische Erstiwochen 2020



Auch dieses Jahr wollen wir die Kritischen Erstiwochen stattfinden lassen. Aufgrund der Corona-Pandemie werden die meisten Veranstaltungen natürlich in deutlich abgeänderter Form stattfinden müssen. Es wird leider insgesamt weniger Veranstaltungen geben als sonst und die, die es gibt, finden größtenteils online oder im Freien statt. Auch der Faktor des „Kennenlernens“ fällt so leider oft weg, was gerade für Erstis natürlich schade ist. Zumindest könnt ihr beispielsweise bei den beiden Stadttouren und bei unserem offenen Plenum (02.11.), welches ebenfalls draußen stattfindet (keine Sorge – für Sitzmöglichkeiten und Wärme ist gesorgt), andere linke Erstis nicht bloß per Webcam treffen. Außerdem bietet unsere Broschüre wie immer einen sehr guten Überblick, was es alles an linken und alternativen Organisationen und Gruppen in Osnabrück gibt, um spätestens nach der Pandemie schon zu wissen, wo man vorbeischauen und sich ggf. einbringen kann.
Normalerweise hatten wir in der Broschüre immer eine Übersicht über die regelmäßigen Termine und Treffen aller Gruppen aufgeführt. Da es aber derzeit kaum regelmäßige Termine gibt und Treffen nur im kleineren Rahmen stattfinden können, kontaktiert ihr bei Interesse am besten die Gruppen direkt.
Nächstes Jahr werden die Kritischen Erstiwochen dann hoffentlich wieder mit dem gewohnt großen Angebot an Veranstaltungen stattfinden.


Falls du Lust haben solltest, bei den Kleinen Strolchen mitzumachen, dann ist das erwähnte offene Plenum die richtige Anlaufstelle. Falls du an diesem Termin verhindert bist, ist das natürlich kein Problem. Unser Plenum findet immer am ersten Montag im Monat um 16:00 Uhr statt und neue Gesichter sind immer gerne gesehen. Je nach Teilnehmer*innenzahl treffen wir uns draußen oder per Telefonkonferenz.


Jetzt erstmal viel Spaß beim Stöbern.


+++ Update +++
Aufgrund der gestiegenen Infektionszahlen und der Beschränkungen wird unser Plenum leider doch nicht in Präsenz ablaufen können. Es wird stattdessen ein Online Plenum geben, die Zugangsdaten bekommt ihr per Mail, meldet euch also bitte vorher hier an: kleinestrolche@riseup.net Die Alternative Stadttour wird außerdem nachgeholt. Falls ihr teilnehmen wollt, schreibt uns eine Mail uns wir geben euch Bescheid, sobald der Termin stattfinden kann!

Leider müssen auch der Rhythms of Resistance Workshop (3.11.) und der historische Stadtrundgang zu Orten nationalsozialistischer Gewalt in Osnabrück (5.11.) ausfallen. Der Rundgang soll ebenfalls nachgeholt werden – wir halten euch auf dem Laufenden!

Die Kleinen Strolche

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This is what democracy looks like!

(Es sind StuRa-Wahlen. Deshalb: Wählt uns (die kleinen Strolche)!)

Und wieder passiert viel. Oder zumindest etwas. Oder teilweise auch nichts. Oder halt vollkommener Blödsinn.

Fangen wir gleich mit dem größten Brocken an: der Liberalen Hochschulgruppe (LHG). Seit die Junge Union an der Universität faktisch aufgehört hat, politisch zu existieren (die Präsenz auf Stura-Sitzungen geht seit einiger Zeit gegen Null und in diesem Wahlkampf hat es nicht einmal mehr für die Standardflyer mit den bundesweiten Standardthemen Mensa, Bibliothek, Semesterticket gereicht) füllt die LHG die Rolle der reaktionären Speerspitze enthusiastisch aus.
Und wie im letzten Jahr kommen da einige Knaller bei rum. Leider wenig in Form öffentlicher Wahlwerbung (ob physisch oder digital), die wird lieber über private Kanäle in den sozialen Medien gemacht. Für Student*innen außerhalb der eigenen Blase sichtbar zu sein genießt anscheinend weniger hohe Priorität als die Organisation von Verkaufsveranstaltungen eher halbseidener Ticker von eher semiseriösen Versicherungs- und Finanzprodukten [1].
Das was an Wahlkampf doch noch stattfindet ist dann (beinahe erwartungsgemäß) der alte Quatsch nochmal lauwarm serviert. Digitalisierung klingt gut, das kann wiederverwendet werden. Zumindest kann man der LHG hier nicht den Vorwurf machen, nicht konsequent zu sein, existiert sie als politische Kraft doch fast nur noch im Internet. Die Anstrengungen die unternommen worden sein müssen, als zweitgrößte Fraktion im Stura auf gleich mehreren Sitzungen ohne einzige Person anwesend zu sein sind nicht zu unterschätzen.
Auch das Streaming von Vorlesungen klingt gut, das kann ebenfalls inklusive des halbgaren Bettgeschichtenwitzchens wiederverwendet werden, diesmal zusätzlich mit dem Hinweis darauf, dass man sich dann nicht mehr aus dem Bett oder der Hängematte begeben müsste [2]. Was erstmal nach schöner Abwechslung von Leistung, Leistung, Leistung klingt bedeutet im Rahmen der gegebenen Verhältnisse das Gegenteil. Die fortgesetzte Aufweichung der Grenzen zwischen Arbeit, Studium und Freizeit geht immer auf Kosten letzterer, wenn noch der Müßiggang in Wert bzw. Leistungspunkte gesetzt werden (noch: können) muss. Dass die Hängematte nur halb so schön ist, wenn sie zum Arbeitsplatz wird, wird unter der Ideologie der immer weiteren Selbstoptimierung, Selbstvermarktung und schließlich Selbstausbeutung nicht gesehen. Vielmehr wird der Einmarsch des Zwangs in die Welt des Mal-Nicht-Müssens noch bejubelt.
Passend dazu sollen studentische Gelder genutzt werden, um die organisierte Selbstausbeutung von Student*innen zu unterstützen, von der LHG als Start-Up-Förderung glorifiziert [3]. Warum die Studierendenschaft überhaupt private kommerzielle Unternehmen fördern und finanzieren sollte wird natürlich nicht begründet, wozu auch.
Schließlich gilt das Interesse der LHG auch überhaupt nicht der Studierendenschaft und den Student*innen, sondern dem „Unistandort“ [2]. Die Unterordnung individueller und kollektiver Interessen unter ein vorgebliche Interessengegensätze überbrückendes Ganzes ist bereits völlig internalisiert. Deutlich wird das bei der Forderung des 2. Vorsitzenden dieses Witzvereins, Gruppen und Initiativen, die „gegen die Uni arbeiten“ die Finanzierung zu entziehen [4]. Dass Student*innen und Universitäten trotz ihrer Verbindung durchaus oft gegenläufige Interessen haben (wie etwa, sagen wir mal, Lohnabhängige und ihre Chefs), kommt ihm dabei wohl nicht in den Sinn. Sei es bei Studienbedingungen, Schließung von Studiengängen (hallo, Kunstgeschichte), Ausstattung der Bibliotheken und Studiumshetze.
Nun fallen Liberale Hochschulgruppen im Allgemeinen nicht dadurch auf, dass sie sich gegen die Vermarktlichung von Bildung und Wissenschaft und gegen die immer schärfere Konkurrenz um die benötigten Drittmittel stellen würden. Gerade diese zwingen die Hochschulen aber dazu, die Interessen von Studierenden immer weniger zu berücksichtigen [5]. Die Zielrichtung muss also nicht sein, als Student*innen die Arbeit der Universität und ihrer Marketingabteilung zu leisten, sondern die kapitalistischen Verhältnisse anzugreifen, die einen Keil zwischen uns, tatsächliche Bildung, die über bloße Erziehung zur Verwertbarkeit hinausgeht, und ein selbstbestimmtes Leben treiben.
Da eben diese Verhältnisse für die LHG allerdings sakrosankt sind, ist leider nicht damit zu rechnen, dass sie sich dem anschließt. Vielmehr naturalisiert sie die Zumutungen der kapitalistischen Produktion, der Ausbeutung von Mensch und Natur, als unhintergehbar und vollkommen frei von menschlichem Einfluss und propagiert ihre Zuspitzung. In diesem Rahmen von „ideologiefreier“ Politik zu sprechen hat zwar ein gewisses humoristisches Potential, weist aber vor allem daraufhin, dass die Liberalen mal wieder keine Ahnung haben, wovon sie eigentlich reden (wie zum Thema Extremismus, aber dazu haben wir bei [6] schonmal mehr geschrieben). Nun muss wirklich nicht unbedingt ein marxistisches Verständnis von Ideologie als falschem Bewusstsein in der jeweiligen ökonomischen Ordnung zugrunde liegen, um die Behauptung, die aktive Verteidigung der kapitalistischen Produktionsweise sei keine Ideologie (sondern „gesunder Menschenverstand“ [3]), als vollkommen lächerlich zurückzuweisen. Andererseits lässt es schon tief blicken, dass ausgerechnet selbsterklärte Liberale eine spezifische Form des menschlichen Zusammenlebens als natürlich betrachten und die Möglichkeit einer Gesellschaft, die nicht auf Ausbeutung, sondern auf Bedürfnisbefriedigung basiert, als ideologisch, mithin als verblendeten Irrsinn, klassifizieren [7]. Würden sie dieses Denkmuster bei anderen Menschen in einer anderen Gesellschaft erkennen, würden sie es vermutlich (nicht zu Unrecht) totalitär nennen.
Nun sind die Menschen von der LHG aber nicht nur Freund*innen der Totalität des Kapitalismus, sondern auch Demokrat*innen. Solange also die Eigentumsfrage in Bezug auf die Produktionsmittel nicht gestellt wird, sind sie durchaus aufgeschlossen für andere Meinungen. Besonders aufgeschlossen für den menschenfeindlichen Müll, der immer offener durch Kaltland marschiert. Herausragendes Anliegen der LHG scheint es nämlich zu sein, den FaschistInnen, AntifeministInnen, NationalistInnen, RassistInnen, AntisemitInnen und christlichen FundamentalistInnen der AfD die Tore der Universität weit aufzureißen, um … ja warum eigentlich? Um „alle[n] im Bundestag vertretenen Parteien […] das Recht“ [4] zukommen zu lassen, ihre Inhalte zu verbreiten, völlig ungeachtet dessen, was diese Inhalte und ihre Verbreitung bedeuten würden. Was gut daran sein soll, AntidemokratInnen, die schon im Vorhinein eine Politik der „wohltemperierten Grausamkeit“ und den „Verlust“ großer Teile der Bevölkerung für ihren Machtantritt in Aussicht stellen, aktiv ein Podium zu bieten, wissen vermutlich nicht mal einigermaßen reflektierte Demokrat*innen, die Demokratie nicht nur als formalen Prozess begreifen.

Achja, andere Demokrat*innen. Was machte eigentlich der Rest?
Die lieben Freund*innen von den Powerpuffgirlz* sind weiterhin super.
Die Jusos haben einen Tag vor der Wahl bemerkt, dass diese wirklich stattfindet und eine Facebookveranstaltung angelegt, in der halbe Sätze mitten in der Beschreibung stehen [8]. Und inhaltlich? Die Jusos sind halt Sozialdemokrat*innen. Preiserhöhungen in der Mensa sollen durch studentische Gelder niedrig gehalten, also aus der linken und nicht aus der rechten Tasche der Student*innen gezahlt werden. Wie bei der Forderung nach mehr Kaffeeautomaten aus dem letzten Jahr, um gestresste Student*innen schön auf Koffein zu halten, zielen sie mal wieder weit am Problem vorbei. Statt sich des Problem des finanziellen und Leistungsdrucks, der auf Student*innen und dem Studierendenwerk lastet anzunehmen, werden bloß die Symptome ins Visier genommen, die nichtmal beseitigt werden sollen, sondern ein bisschen weniger beschissen eingerichtet.
Die Grüne Hochschulgruppe scheint ebenfalls gehört zu haben, dass Wahlen stattfinden, schließlich treten sie mit einer Liste an und gerüchteweise wurde auch ein Plakat von ihnen gesehen.
Spaß und Geselligkeit halten sich mit Ausnahme eines Spieleabends ebenfalls vornehm zurück.
IRFAN existiert weiterhin nahezu ausschließlich in der islamischen Theologie und sumpft weiter in einem türkisch-nationalistischen Umfeld vor sich hin.
Dorsche und Fleische scheinen tatsächlich zu existieren, letztere verteilen sogar Flyer gegen „den Irrsinn“, welcher auch immer das sein mag.
Von der Linken.SDS wurde immerhin auch ein Plakat gesehen.

This is what democracy looks like.


[1]: Dazu aus der FAZ, dem alten antikapitalistischen Kampfblatt: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/sparen-und-geld-anlegen/finanzvertriebe-ueberreden-studenten-zu-ueberteuerten-versicherungen-16441441.html(ist leider hinter einer Paywall, aber ein Zitat wollen wir euch nicht vorenthalten: „Versicherungsvertreter sprechen abfällig von der Dreischrittmethode: Anhauen, umhauen, abhauen.“ Charmant.)
[2]: https://lhg-osnabrueck.de/wahl-zum-studierendenrat/unsere-themen/digitalisierung/
[3]: https://lhg-osnabrueck.de/wahl-zum-studierendenrat/unsere-themen/studienqualitaet/
[4]: https://www.instagram.com/rdesilva_julis/(inzwischen leider privat, möglicherweise ist der betreffende Beitrag auch gelöscht worden, Screenshots sind auf Anfrage aber natürlich vorhanden #zwinkersmiley)
[5]: Zu der Thematik zitieren wir mal aus unserem Sturaflyer: „Außerdem stellen wir [also die kleinen Strolche] uns gegen die von staatlichen Zwangsmaßnahmen unterstützte fortschreitende Durchsetzung marktwirtschaftlichen Denkens und Handelns in Wissenschaft und Bildung. Diese fördert die allgemeine Ausrichtung der Forschung auf einzuwerbende Drittmittel, durch die Hochschulen immer weiter gesamtgesellschaftlichen Verwertungslogiken unterworfen werden. Kritische Forschung an Hochschulen, und daran hängend auch kritische Lehre, wird dadurch zunehmend marginalisiert.“
[6]: https://kleinestrolche.wordpress.com/2019/06/25/extremismus/
[7]: Im Manifest der kommunistischen Partei ist die ahistorische bürgerliche Vorstellung von der kapitalistischen Produktion bereits ziemlich gut dargestellt: „Die interessierte Vorstellung, worin ihr [die Bourgeoisie und ihre Freund*innen, in diesem Fall die LHG] eure Produktions- und Eigentumsverhältnisse aus geschichtlichen, in dem Lauf der Produktion vorübergehenden Verhältnissen in ewige Natur- und Vernunftgesetze verwandelt, teilt ihr mit allen untergegangenen herrschenden Klassen. Was ihr für das antike Eigentum begreift, was ihr für das feudale Eigentum begreift, dürft ihr nicht mehr begreifen für das bürgerliche Eigentum.“
[8]: https://www.facebook.com/events/2562847704004396/

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StuRa-Wahlen 2020

factory_plakat

 

Vom 14. bis zum 16. (in der Schlossmensa) und am 21./22. Januar (in der Westerbergmensa) finden jeweils von 10 bis 16 Uhr wieder die Wahlen zum Studierendenrat statt. Dort könnt (und solltet) ihr uns wählen. Warum ihr das solltet haben wir in unserem Flyer geschrieben, den ihr hier lesen könnt:

 

„Wir (die kleinen Strolche) sind ein Zusammenschluss von Student*innen, die hier an der Universität und auch darüber hinaus emanzipatorische Gesellschaftskritik und Politik betreiben. Dabei sind wir hier seit vielen Jahren eine kraftvolle, kritische und vor allem linke Stimme im Studierendenrat (StuRa).

Wir begreifen die selbstständige Studierendenschaft als politisch, d.h. als Feld, auf dem gesellschaftliche Konflikte ausgetragen werden. Deshalb treten wir (im Gegensatz zu den meisten anderen Hochschulgruppen) antisemitischen, rassistischen, antifeministischen, nationalistischen, faschistischen und allgemein menschenfeindlichen Ideologien und Gruppen in der oder im Umfeld der Studierendenschaft aktiv und offensiv entgegen. Wir beschäftigen uns politisch mit ihnen, nicht bloß in Form von Verfahrensvorschlägen und Verwaltungsakten. In der Vergangenheit betraf dies vor allem die Auseinandersetzung mit Burschenschaften, islamistischen Gruppen, denen wir das Leben möglichst schwer machen, und mit geplanten AfD-Veranstaltungen an der Uni, die schließlich verhindert wurden.

Außerdem stellen wir uns gegen die von staatlichen Zwangsmaßnahmen unterstützte fortschreitende Durchsetzung marktwirtschaftlichen Denkens und Handelns in Wissenschaft und Bildung. Diese fördert die allgemeine Ausrichtung der Forschung auf einzuwerbende Drittmittel, durch die Hochschulen immer weiter gesamtgesellschaftlichen Verwertungslogiken unterworfen werden. Kritische Forschung an Hochschulen, und daran hängend auch kritische Lehre, wird dadurch zunehmend marginalisiert.

Schwierig wird dies spätestens dann, wenn selbst für erkannte Probleme nur noch affirmative Lösungen denkbar werden. Strukturellen Verwerfungen im staatlichen Gewaltapparat wird so in erster Linie mit mehr Kompetenzen für die Gewaltmonopolist*innen begegnet. Die für den Kapitalismus notwendige Ausbeutung von Mensch und Natur inklusive Umweltzerstörung und der Zersetzung der körperlichen und geistigen Gesundheit soll lediglich besser organisiert werden, die Notwendigkeit der Ausbeutung und Zerstörung selber wird aber nicht angerührt.

Über tatsächlich grundsätzliche Veränderungen des menschlichen Zusammenlebens und vor allem der Produktion kann so nicht gedacht werden. Als Ausweg wird bewusster individueller Konsum (oder eben Verzicht) zur wesentlichen Triebkraft gesellschaftlicher Veränderung erklärt, während anderen, die diesem Beispiel nicht folgen, dies moralisch zur Last gelegt wird. Oft ohne Rücksicht auf eventuelle soziale und finanzielle Umstände, die den korrekten Konsum von vornherein unmöglich machen.

Aus dem Blick geraten dabei Systemzwänge, die Unternehmen zur größtmöglichen Ausbeutung natürlicher und menschlicher Ressourcen nötigen, wollen sie nicht durch kostspielige Rücksicht auf diese Ressourcen ins Hintertreffen der Konkurrenz gelangen. Ebenso können Staaten bei durchaus möglicher Umweltschutzgesetzgebung nicht frei verfahren. Sie sind zum Selbsterhalt darauf angewiesen, an ihrem Standort möglichst profitable Verwertungsbedingungen anzubieten, um die eigene Stellung in der Weltmarktkonkurrenz zu behaupten.

Auf Grundlage dieser Zwänge stehen auch bisher nicht waren- und marktförmig organisierte Bereiche der Gesellschaft unter Druck, selbst verwertbar zu werden oder zumindest verwertbare Ergebnisse hervorzubringen.

Die Ablehnung der Verwertung immer weiterer Teile unserer aller Leben bedeutet für uns zur Zeit und unter den gegebenen hochschulpolitischen Verhältnissen den Einsatz für bessere Arbeits- und Studienbedingungen an der Universität, gegen das Instrument der Regelstudienzeit, gegen jede Form von Studiengebühren, gegen Leistungszwang und Konkurrenz.

Während wir also als Hochschulgruppe Hochschulpolitik im weiteren Sinne betreiben ist unser Anspruch ein gesamtgesellschaftlicher. Die Universität ist keine Insel außerhalb dieser Gesellschaft. Sie kann nicht dauerhaft gegen den Ansturm der Bedürfnisse der Tauschgesellschaft und des kapitalistischen Verwertungszwangs verteidigt werden, wenn diesen Kräften in der Gesellschaft keine wirksame Opposition gegenübersteht. Wir streben daher nicht bloß Reparaturen und Reformen des Bildungssystems und der Universität an, sondern ein selbstbewusstes und solidarisches Miteinander, das sich kritisch mit den kapitalistischen Verwertungs- und Vereinzelungsmechanismen auseinandersetzt und diese überwindet.

Damit wir weiterhin auch im StuRa emanzipatorische Politik betreiben können: Gebt uns bei den Wahlen zum StuRa eure Stimme.

Noch besser, wenn euch das nicht genug linke Hochschulpolitik ist: Kommt außerdem zu unseren Treffen, die jeden ersten Montag im Monat um 16 Uhr im Café Mano Negra (Alte Münze 12, im AStA-Tunnel) stattfinden.

Organisiert euch und bildet Banden!“

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